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Wie man mit Perfektionismus zurecht kommt

Ich bin nicht perfekt.
Du bist nicht perfekt.
Niemand ist perfekt.
Und genau das ist perfekt.

Mein ganzes Leben lang wollte ich schon immer alles perfekt machen. Perfekt sein. Egal bei was. Bei der Arbeit. Im Privatleben. In meiner Yogapraxis. Im Yogalehrer-Sein und Werden. Bei meinen Modeljobs. Beim Bearbeiten meiner Fotos. Im Freund-Sein und Familienmitglied-Sein. Im Perfektsein dieser Person, die Elaine genannt wird.

Wisst ihr eigentlich wie verdammt anstrengend das ist? Immer seinen eigenen Standards und Einschränkungen gerecht werden zu wollen?

Und das Ding daran ist: niemandem würde es jemals auffallen, wenn ich mal nicht ‚perfekt‘ bin, da jeder im Endeffekt die ganze Zeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Es ist also auch Ansichtssache.

Also habe ich mir selbst die Frage gestellt, ‚warum will ich denn eigentlich ‚perfekt‘ sein?‘.

Neulich habe ich begriffen, dass ich eigentlich die ganze Zeit nur Angst vor dem Versagen hatte.
Angst davor falsch zu liegen, etwas nicht richtig zu machen, und deshalb zwangsläufig zu erkennen, dass ich meine Zeit verschwendet habe mit den Dingen, die ich bisher tat. Zeit, die niemals wiederkehrt. Zeit die für immer verloren ist, während ich damit beschäftigt war die ‚falschen‘ Ziele zu verfolgen.

Kennt noch jemand dieses Gefühl?
Diese Realisation hat mich hart getroffen, aber gleichzeitig hat sie sich wie eine Befreiung für mich angefühlt. Eine wiedergefundene Freiheit, die mich mein eigenes, selbstkreiertes Gefängnis von Perfektion entfliehen ließ, als ich endlich herausgefunden habe, worum es überhaupt geht.
Dieses Gefängnis war lange Zeit ein Konstrukt meines eigenen Geistes, das mich davon abgehalten hat die Person zu werden, die ich sein möchte – und zwar frei von meinen eigenen Erwartungen und einschränkenden Glaubenssätzen.
Ich habe mir ebenfalls diese Fragen gestellt: ‚Wer wäre ich wenn ich mich nicht mehr darum sorgen müsste, perfekt zu sein?‘ ‚Was ist so schlimm daran voller Fehler und Macken zu sein, oder noch schlimmer: was ist so schlimm daran falsch zu liegen?‘ ‚Was kann ich loslassen um mich selbst mehr frei zu fühlen?‘

Es gibt kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, denn nichts in diesem Universum kann jemals vollkommen ‚falsch‘ sein. Dinge geschehen um uns aus dem Erlebten etwas lernen zu lassen, egal ob wir die Erfahrungen als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ bewerten. Und es gibt auch kein ‚Zeit verschwenden‘, denn jede einzelne Entscheidung, jeder einzelne Moment, hat uns zu dem Wesen gemacht, das wir jetzt in diesem Augenblick zu diesem Zeitpunkt sind. Und ich bin dankbar für jede Lektion in meinem Leben, denn jeder Aspekt mit all seinen Macken ergibt zusammenfügt einen Schatz an Erfahrungen, und am Ende wird dies ein Leben sein das gelebt wurde.

Sich selbst 100% zu akzeptieren bedeutet sich wirklich und wahrhaftig zu lieben. Und sich in sich selbst zu verlieben ist ein Prozess. Man wird definitiv nicht eines Morgens aufwachen und sagen „Oh ja, ich liebe mich selbst, ich liebe jeden meiner Fehler, und ich vergebe mir für all die Dinge, für die ich mich jemals geschämt habe“, wenn man bereits mit schwankenden Selbstwertgefühlen zu kämpfen hatte. Aber es lohnt sich es zu versuchen, und es ist eine wundervolle Reise seine eigenen Schattenseiten zu akzeptieren und zu integrieren. Langsam, geduldig, und eine nach der anderen.
Und um ehrlich zu sein habe ich noch nie jemanden getroffen, der sich selbst zu 100% liebt – es gibt immer einen nicht gewollten Aspekt mit dem die Menschen zu kämpfen haben. Genau deshalb sind wir alle auf der gleichen Reise – was wunderbar ist und uns miteinander verbindet.

Ich habe so genug davon perfekt sein zu wollen, denn niemand wird es jemals sein.

 

Deshalb will ich euch unbedingt wissen lassen, was ich auf meinem Weg bisher gelernt habe:

Es ist OK nicht perfekt zu sein.
Es ist OK Angst zu haben.
Es ist OK Wünsche und Sehnsüchte zu haben.
Es ist OK sich manchmal nicht gut zu fühlen.
Es ist OK in Ruhe zu verweilen und einfach mal zu SEIN.
Es ist OK manchmal einfach nur zu atmen.
Es ist OK zu weinen.
Es ist OK zu lachen.
Es ist OK das Herz den Weg leiten zu lassen.
Es ist OK zusammen zu brechen.
Es ist OK bedingungslos zu lieben.
Es ist OK nach Hilfe zu fragen und sich mit anderen auszutauschen.
Es ist OK materielle Dinge zu mögen.
Es ist OK sich anders zu fühlen und zu sein.
Es ist OK Fehler zuzugeben. Es gibt immer eine Gelegenheit die Dinge ‚richtig‘ zu stellen.
Es ist OK Tagträume zu haben. Träume können Vorhaben werden, und diese können tatsächlich umgesetzt werden.
Es ist OK höflich zu sein, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten.
Es ist OK Dinge loszulassen, die nicht mehr dienlich sind, auch wenn der Prozess des Loslassens noch so schwer sein mag.
Es ist OK anderen von den eigenen Gefühlen zu erzählen.
Es ist OK authentisch und verletzlich zu sein.
Es ist OK Angst davor zu haben diese authentische und verletzliche Seite preiszugeben.
Es ist OK stolz auf sich selbst zu sein und das den anderen auch zu zeigen.

Es ist alles OK, was auch immer es ist.

Namasté,

Elaine

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