Yoga Yoga-Tagebuch

Die Kunst des Unterrichtens – Die erste Yogastunde

seychelles

Namasté Yogis, Leser und Freunde :)

Oh, es sind ein paar Spannende Dinge in den letzten 2 Wochen passiert.

Zunächst mal habe ich meine allerersten 3 Yogastunden in einem Studio unterrichtet.

Ich war so nervös und fühlte mich wie kurz vor einem Nervenzusammenbruch ein paar Stunden vor dem ersten Unterricht. Große Panik und ich wartete auf das große, schwarze Loch in dem ich verschwinden wollte.
Aber in dem Moment, in dem ich mit dem Unterrichten begann, fiel es mir dann erstaunlich leicht – beinahe als hätte ich es schon ein paar Mal gemacht. Ein tiefer Atemzug kann ja so hilfreich sein!

Es ist ein kribbelndes Gefühl vor all diesen Menschen zu stehen, die dich mit großen und erwartungsvollen Augen anschauen. Ich habe mich in diesem Moment ’nackt‘ gefühlt und völlig auf mich allein gestellt. Aber diese totale Verletzlichkeit zu spüren war irgendwie auch eine tolle Erfahrung – ich konnte mich nicht hinter einer Rolle verstecken, ich war einfach nur ich selbst. Ich ließ die Anspannung mit einem tiefen, erdenden Atemzug aus meinem Körper abfließen und atmete ganz viel Liebe und Freude ein um sie mit den Leuten vor mir zu teilen. Ich wollte, dass sie sich gut und sicher fühlen, und entpannt nach Hause gehen können.

Ich führte sie durch verschiedene Asanas (es war eine Stunde für Yoga-Neulinge), erklärte Schritt für Schritt und ließ sie einen ersten leichten Flow erfahren. Als ich sie in Savasana führte und jedem von ihnen noch eine kleine Nackenmassage gab, fühlte ich mich ausgeglichen und zufrieden.
Das Feedback, das ich nach der Stunde bekam, war durchaus zufriedenstellend und machte micht glücklich, denn meinen Schülern schien die Stunde gefallen zu haben. Was für eine Erleichterung!

Auch meine zweite und dritte Unterrichtsstunde mit Schülern von verschiedenen Levels liefen ebenfalls gut, und ich war auf jeden Fall schon weniger nervös als beim ersten Mal. Ich war gut vorbereitet und hatte einen Plan was ich in jeder Stunde unterrichten wollte. Dabei kombinierte ich einige anatomische Elemente mit einer speziellen Intention für die jeweils 90 Minuten, was auch gut geklappt hat.

Schon jetzt habe ich gelernt, dass Unterrichten wirklich eine Art Kunst für sich ist – so viele Elemente müssen richtig und zeitlich zusammen passen, so viele Dinge müssen beachtet werden und auch ein wenig Improvisationstalent wird gefordert. Die Menschen, die eine Unterrichtsstunde besuchen sind in unterschiedlicher Verfassung: manche sind ruhiger, manche kommen völlig gestresst an. Manche sind sehr mobil und flexibel, andere überhaupt nicht. Jetzt ist es die Aufgabe des Lehrers das alles zu beachten und die Menschen dazu zu bringen sich sicher und gut zu fühlen. Sie möchten sich entspannen, ihren Körper bewegen und endlich mal vom Alltag wegkommen um mit einem guten, entspannten Gefühl nach Hause zu gehen. Ich als Lehrer bin verantwortlich dafür, dass meine Schüler sich hingeben können um mit sich selbst in Kontakt zu treten, und damit sie völlig im Jetzt für die nächsten eineinhalb Stunden ankommen können.

 

Für all meine Mit-Yogalehrer-Lehrlinge habe ich deshalb Folgendes aufgeschrieben, basierend auf meine Erfahrungen:

Meine 10 Tipps wie man die erste Yoga-Unterrichtsstunde überlebt

  1. Bleib gelassen. :) Nimm einen tiefen, langen Atemzug kurz vor Beginn, erde dich gut und fühle dich in die Energie ein, die du letztendlich an deine Schüler weitergeben möchtest. Der härteste Teil jeder Reise ist der erste Schritt, danach wird es einfacher.
  2. Grüße jeden einzelnen Schüler und stell dich kurz vor. Baue eine Verbindung auf und erzähl auch nicht unbedingt, dass das deine erste Stunde ist. Denn wozu sollten sie das unbedingt wissen? Das baut nur Stress auf, und das zu deinem Nachteil.
  3. Lächle und schaue jedem Schüler in die Augen. Verteile gute Energie im Raum und gib deinen Schülern das Gefühl, dass sie hier bei dir gut aufgehoben sind.
  4. Gib deinen Schülern ausreichend Zeit um wirklich auf ihrer Matte ‚anzukommen‘. Mache ein paar Atemübungen mit ihnen und  fang mit einer leichten Meditation an damit sich ihr Geist beruhigen kann.
  5. Sei selbstbewusst! Alles wird gut, und die Schüler werden dich nicht fressen… :) Behalte immer im Hinterkopf: sie kommen nicht um dich zu sehen, sondern weil sie mit sich selbst in Verbindung treten wollen. Du hast ein Blackout? Dann lass deine Schüler ein paar Atemzüge in der Kindshaltung oder im herabschauenden Hund nehem. So lange kannst du auf deine Aufschriebe spickeln. Selbst die erfahrensten Lehrer müssen improvisieren und vergessen auch manchmal etwas. Wir sind alle Menschen, und das ist OK.
  6. Sei vorbereitet! Aber mach dir nicht all zu viele Notizen im Voraus – weniger ist mehr. Schreib dir ein paar kurze Stichworte auf was du vorhast und zeichne gegebenenfalls ein paar Figuren, damit du sie schnell auf deinem Blatt Papier ‚finden‘ kannst. Du wirst den nächsten Schritt nämlich nicht in einem Dschungel voller Notizen finden.
    Hab auch einen Plan B parat – denn was ist, wenn ein paar Schüler den Flow nicht genau so umsetzen können, wie du es dir so schön ausgedacht hast?
  7. Pass auf deine Zeit auf – 90 Minuten gehen schnell vorbei, deshalb plane lieber weniger Flows und gib genauere Anweisungen in Bezug auf Alignment. Hab auch ein paar extra-Asanas parat, falls du deinen Plan spontan ändern musst.
  8. Deine Schüler werden deine Nervosität nicht so stark wahrnehmen wie du selbst. Natürlich solltest du nicht sprunghaft wirken, aber meistens fühlt sich das Ganze schlimmer an, als es bei den anderen ankommt. Sei einfach du selbst und versuche auch nicht einen Unterrichtsstil von einem anderen Lehrer zu kopieren. Lache einfach und mach weiter!
  9. Sei dankbar und danke deinen Schülern am Ende jeder Stunde für ihre Zeit und Präsenz.
  10. Jetzt geht’s erst richtig los! Auch Yoga-Lehrer weden lebenslange Schüler bleiben, denn es gibt einfach keine Ziellinie. Such dir Inspiration und übe, übe, übe.

 

Ich werde dann jetzt regelmäßig und wöchentlich eine ‚Relax‘ Yogastunde unterrichten, worauf ich mich schon sehr freue. Natürlich bin ich deswegen immer noch ein wenig nervös, aber die Freude daran überwiegt eindeutig und ich freue mich auf diesen weiteren Abschnitt auf meiner Reise.

Das war’s für den Moment. Ich fühle mich dankbar.

Genießt den Frühling, die Sonne und das Leben! <3
Elaine

 

Photo by Black Spirit X (www.bsx-world.com)
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