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Vom Fliegen und Fallen – Ein Risiko eingehen

Evalerie_Yoga18

Fliegen und fallen

Wie die Haltung Gefallener Engel auf dem obigen Foto verkörpert – so erleben wir im Leben auch Höhen und Tiefen, Licht und Dunkelheit, das Fliegen und das Fallen.
Es ist eine wunderschöne Asana die den Fall eines Wesens verkörpert das normalerweise fliegen kann. Ich liebe es sie zu üben weil sie die Balance fördert, die Körpermitte stärkt und meine Welt mal für einen kurzen Moment auf den Kopf stellt. Ein paar wenige Teile des Körpers berühren den Boden, aber der größte Teil ’schwebt‘ in der Luft.

Es ist einfach so, dass wir im Leben manchmal hart auf den Boden knallen, manchmal sinken wir eher langsam, manchmal schweben wir auch auf der Stelle und manchmal fliegen wir so hoch, dass wir denken, nichts könnte uns etwas anhaben.
Wenn wir dann irgendwann mal diese Erfahrungen als ein Teil unseres Daseins akzeptieren und erkennen, dass nichts gut oder falsch ist, egal wie schlimm es sich anfühlen mag, dann fangen wir an das größere Gesamtbild zu erkennen. Wenn wir dann auch verstehen, dass wir nichts beurteilen müssen von den Dingen die wir tun oder die passieren, dann können wir das Leben an sich erfahren, von unseren ‚Fehlern‘ lernen und uns entwickeln. Manchmal müssen wir auch ein Risiko eingehen. Dann werden wir gezwungen in ein tiefdunkles Nichts zu springen, völlig in Panik vor dem Unbekannten, nur um dann zu erkennen, dass unsere größten Feinde, die dort in der Dunkelheit auf uns warteten, unsere eigenen Ängste waren und die wir viel schlimmer erwartet hätten.

Letzes Wochenende hatte ich wieder Yoga-Lehrer Ausbildungswochenende und habe mich mit einer ‚Mitschülerin‘ unterhalten, die mir etwas wundervolles erzählt hat das mich noch einige Tage lang zum Nachdenken gebracht hat. Sie sagte mir, dass immer wenn sie mit ihren Gedanken an einem dunklen Ort gefangen ist, dann stellt sie sich einen Teich voll dunklem Wasser vor in dem sie langsam zu Boden sinkt. Sie kämpft dann nicht dagegen an um wieder aufzutauchen, denn es bringt nichts gegen den Abwärtsstrom zu schwimmen. Stattdessen lässt sie sich bis zum Boden herunterziehen und lässt sich von der Dunkelheit vollstöndig vereinnahmen. Und dann, wenn ihre Füße dann endlich den Boden berühren, dann stößt sie sich mit aller Kraft ab, denn dann gibt ihr dieser Widerstand genühend Kraft um wieder bis zur Oberfläche zu gelangen. Dies ist nämlich effektiefer als nur kurz unterhalb der Oberfläche herum zu trudeln ohne diese jemals zu erreichen.

Das Leben und der Fluss

‚Let go and let god‘ (‚Lass los und lass das Göttliche‘) – ein Spruch den ich sehr gerne mag – beschreibt auf perfekte Weise wie man dem Fluss des Lebens folgen kann. Das Universum wird die Dinge schon so passieren lassen wie für einen selbst richtig ist, und dafür sollte man nur Vertrauen in die Geschehnisse haben. Das bedeutet aber nicht, dass man nur herumsitzen und nichts tun sollte und darauf wartet bis etwas passiert, sondern eher dass man seinem Herzen folgt (statt nur auf den Verstand zu hören). Und auch nicht Dinge erzwingt oder zu hohe Erwartungen hat, sondern den Dingen einfach ihren Lauf lässt.

Wenn man etwas zu sehr will, dann besteht immer die Gefahr, dass man einen Widerstand in sich selbst entwickelt, der verhindert das gewünschte Ziel zu erreichen. Man sollte sich nicht zu sehr versteifen oder sich überanstrengen um Dinge geschehen oder nicht geschehen zu lassen. Was kommen will wird auch kommen, wenn es die richtige Zeit dafür ist. Einfach mal die Dimge laufen lassen und wenn das Leben die Möglichkeit bietet ein Risiko einzugehen, dann gerne auch das mal tun.

Ein Risiko eingehen

Ich spreche aus eigener Erfahrung wenn ich sage, dass ein Risiko eingehen manchmal das Beste ist was man tun kann. Es kann Angst machen und andere denken lassen, dass man den Verstand verloren hat. Der logische Verstand schreit ‚Oh je, das ist so eine Dummheit!‘, aber das Herz ruft ‚Egal, tu es trotzdem!‘, und schon hat man einen innerlichen Koflikt den man austragen muss. Ich war aber schon immer ein Befürworter, wenn es darum ging dem Herzen zu folgen, weshalb ich auch immer meiner Intuition mehr Glauben schenke als meinem Verstand.

Vor ein paar Jahren, in 2009, bin ich ein spontanes Risiko eingegangen. Ich bin von heute auf morgen ins Ausland nach Stockholm in Schweden gereist mit nicht mehr als einer Tasche, meiner Kamera und einer Hotelzimmerbuchung für eine einzige Nacht. Ich wusste nicht wie lange ich dort oben in Schweden bleiben würde oder was ich dort genau tun wollte, und habe sogar einen Job hier in Deutschland zurück gelassen nur um das Leben mal ‚passieren‘ zu lassen. Für solch eine Gelegenheit hatte ich im Vorfeld zwar schon einige Jahre lang gespart, war aber selbst über meinen spontanen Entschluss nach Schweden zu gehen überrascht.

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Die Realität und Hindernisse haben mir natürlich gleich am zweiten Tag eine geklatscht als ich realisiert habe, dass ich keine Bleibe für die weiteren Nächte hatte. Alle Hotels in Stockholm schienen ausgebucht zu sein und so musste ich das letzte heruntergekomme Zimmer für die Nacht nehmen und es mir mit 15 anderen Fremden teilen, was mich nicht gerade begeisterte. Aber das war dann auch das Zimmer in dem ich einem Mädel begegnete, das in einer ähnlichen Situation wie ich war – ebenfalls auf Wohnungssuche. Sie war eine Deutsche, und als ich das Zimmer betrat sprach sie gerade mit einem Mann am Telefon der ihr ein Zimmer vermieten wollte, ihr aber die Schlüssel dafür erst in ein paar Tagen geben könnte weil er noch im Ausland war.
Als sie aufgelegt hatte haben wir angefangen uns zu unterhalten und sie erzählte mir, dass der Kerl am Telefon ihr gerade kostenlos Tickets für einen 3-Tages-Trip mit dem Schiff nach Finnland angeboten hätte, der schon am nächtsen Tag losgehen sollte. Er selbst könne ja nicht hingehen, weil er noch nicht zurück in Schweden ist. Sie wollte gehen und hat mich gefragt ob ich mitwill. Ich sagte ja, und das noch bevor ich überhaupt ihren Namen kannte. Das Unglaubliche an der Sache war, dass ein Freund von dem Kerl am Telefon ebenfalls auf diese Reise mitgehen würde, weil die beiden ursprünglich diesen Trip gemeinsam geplant hatten. So haben wir uns am folgenden Tag mit diesem Fremden (der ebenfalls Deutscher war) am Hafen getroffen, ihn kurz inspiziert und es für OK empfunden die Nächsten Tage das Zimmer mit ihm während der Fahrt über die Ostsee zu teilen. Und ich hatte gleichzeitig auch ein Dach über dem Kopf für ein paar Nächte. Wir hatten eine tolle Zeit und haben uns angefreundet. Ich war nicht mehr alleine auf meinem Abenteuer unterwegs und habe offensichtlich Menschen und Situationen angezogen, die ich brauchte. Wir haben uns gut unterhalten, lachten viel und wurden von Finnischer Karaoke unterhalten.

Nach diesem lustigen kurzen Trip nach Helsinki kamen wir wieder in Stockholm an und dort ergab sich eins nach dem anderen und wir konnten uns gegenseitig helfen, sodass ich dann auch ein Zimmer in einem kleinen Haus gefunden habe, in dem auch noch 9 andere Menschen wohnten. Es war ein zartpinkes Holzhäuschen mit einem rosafarbenen Kirschbaum vor der Haustür, der vor lauter Blumen zu explodieren schien. Sehr gemütlich und putzig. Ich hatte dort endlich Zeit kreativ zu sein (malen, kreieren, leben, die Stadt erkunden sowie die Natur drum herum). Ich wusste immer noch nicht was genau ich dort oben eigentlich wollte, mit all diesen anderen Fremden unter dem selben Dach. Vielleicht wollte ich neue Freunde finden, vielleicht mir über Dinge im Klaren werden oder auch mich selbst finden.
Das ist dann auch alles passiert. Ich hatte viel Zeit über zwischenmenschliche Beziehungen nachzudenken, über die Menschen in meinem Leben, über wahre Freunde und energieraubende Dinge. Damals habe ich noch kein Yoga praktiziert, aber ich habe so viel über einen Lebensstil gelernt, den man auch als ‚yogisch‘ bezeichnen könnte. Ich habe jeden Moment einzeln ausgekostet und habe ein Verständnis davon bekommen was es bedeutet absolut im Hier und Jetzt zu leben. Das Leben so zu nehmen wie es gerade kam, mit was immer es mir zu bieten hatte, war wirklich äußerst spannend.

Im Jetzt zu leben ist eine wundervolle Erfahrung, die Türen öffen kann welche man sich nicht einmal vorstellen konnte.

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Kurz zusammengefasst: die Monate, die ich dort oben in Schweden und auf diesem verrückten Trip nach Finnland mit zwei Fremden verbracht habe zählen zu den besten Erinnerungen meines Lebens.
Nachdem mein Aufenthalt in Schweden vorbei war, war ich nicht einmal wirklich traurig darüber, sondern eher unendlich dankbar, dass ich mutig genug war so eine ‚Dummheit‘ zu begehn, sodass ich selbst heute noch von den Erinnerungen zehre. Das Ende meiner Zeit im Norden war bittersüß und hat mir den wiedergewonnenen Alltag in Deutschland etwas erleichtert, da ich eine neue Weltsicht aus einer leichteren Perpektive bekam.

Abenteuer wie diese begeistern mich immer wieder – unkontrollierbare und unvorhersehbare Reisen, die es auf jeden Fall wert sind sie anzutreten. Ich konnte mich eine Zeit lang vom Leben jeden Tag aufs Neue völlig treiben lassen, und habe dabei auch etwas für’s Leben gelernt: dass ein Risiko einzugehen eine gute Sache ist. Weil wenn man ins Dunkle geht, kann das zu hellerem Licht führen. Hinzufallen und fliegen zu lernen, zu fliegen und zu fallen sind Erlebnisse, die einem niemand beibringen kann – man muss die selbst durchleben.

 

Warum es gut ist ein Risiko einzugehen

  • unverhoffte Möglichkeiten ergeben sich
  • macht selbstsicherer
  • lässt selbstauferlegte Einschränkungen durchbrechen
  • gibt die Möglichkeit sich selbst zu erforschen und seine eigenen tieftsen Gefühle und Gedanken wahrzunehmen
  • macht unabhängiger
  • macht glücklicher
  • lässt das Hier und Jetzt genießen
  • veranlasst dazu dem Unbekannten mehr zu vertrauen
  • lässt neue Fähigkeiten entdecken
  • kann Dinge verändern
  • lässt lebendig fühlen
  • macht kreativ und fördert Spontaneität
  • schafft Klarheit über Dinge, die man will und nicht will
  • schafft neue Freuncshaften und Erfahrungen mit Menschen
  • Selbst wenn sich die Entscheidung ein Risiko einzugehen als ‚falsch‘ herausstellen sollte – so hat man es versucht und ist danach klüger und erfahrener

 

Yoga-Photo von www.bsx-world.com / Ostsee

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