Yoga Yoga-Tagebuch

Der Geerdete Stand – Tagebuch 02

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Drittes Ausbildungs-Wochenende

Letzes Wochenende hatte ich mein drittes Ausbildungs-Wochenende und es war wunderbar. Eine ganz neue Erfahrung mit vielen einleuchtenden Aha-Erlebnissen.

Unsere Gruppe wurde in das kalte Wasser geworfen – wir haben mit dem Unterrichten begonnen! Abgesehen von ein paar kleinen Mini-Stunden, die ich für Freunde und Famile gegeben habe, war es mein erstes richtiges Unterrichten eines Yoga-Kurses. Wir haben das zuvor noch nicht in der Gruppe geübt, und es war wirklich aufschlussreich und inspirierend zu erkennen, an was ich alles noch arbeiten kann und muss um andere durch eine Abfolge von Asanas zu führen. Es war anfangs viel schwieriger als ich dachte: an alle Asanas denken, die Sanskrit-Namen parat haben, die Reihenfolge, anatomische Begrifflichkeiten, der Flow. Und dann muss man noch die Ansage des Atems richtig machen, die Reihenfolge, möglichst nichts vergessen und auch Varianten für verschiedene Erfahrungslevels anbieten können. Puh, echt ziemlich viel an das man denken muss.
Die erste Runde war schrecklich für die meisten von uns, aber schon bei meiner zweiten Runde fiel es mir schon viel leichter und ich war ruhiger und konnte alles andere ausblenden, bis es nur noch meine ‚Schüler‘ und mich gab. Eine ziemlich aufregende Erfahrung! Jetzt werde ich damit anfangen mich auf die nächsten Male vorzubereiten: verschiedene Flows ‚lernen‘, was ich sagen muss und wie ich es sagen muss. Also habe ich einige Hausaugaben zu erledigen.

In meiner persönlichen Praxis tendiere ich öfters dazu etwas hektsich zu werden, obwohl meine Asanas kraftvoll und doch ‚leicht‘ sind. Ich sollte mehr daran arbeiten mich besser zu erden und den Flow präziser auszuführen um jede Haltung noch mehr zu vertiefen. Ich will immer alles auf einmal – alle meine Lieblings-Asanas in einer Praxis unterbringen, statt sie einzeln und weniger davon jeweils etwas präziser zu üben. Das ist mir ebenfalls dieses Wochenende klar geworden.

 

Aufrechtes Stehen

Was vielleicht am aufschlussreichsten war, war die Korrektur meiner Gewohnheitshaltung. Wir haben unsere ‚aufrecht stehende Körperhaltung‘ gegenseitig in Gruppen analysiert, und das immer wieder schon über Monate.

Ich habe immer gedacht, dass ich ziemlich gerade stehen würde, aber das war eher nicht so der Fall. Und da habe ich mich immer gefragt wo meine Krie- und Nackenschmerzen beim längeren Stehen wohl herkommen… Da muss ich über mich selbst lachen. Jetzt weiß ich es besser.

Während dieses Kurses habe ich erkannt, dass es viel zu verbessern gibt. Denn wenn man es mal so überlegt… Wie glaubwürdig ist schon eine Yoga-Lehrerin, die etwas über Körperarbeit und gute Haltung erzählt, aber selbst nicht einmal aufrecht stehen kann?
Jetzt weiß ich ja zum Glück schon etwas mehr darüber was ich tun kann um meine Hüfte, meine Knie und meine Knöchel auszurichten um eine Lotlinie zu schaffen und um meinen Körper und meine Knochen in Balance zu bringen.

Hier kannst du auch für dich schauen, ob du wirklich aufrecht stehst, indem du z.B. ein Foto von dir im Stehen machst und es dann analysierst. Die Folgenden Fragen und Punkte können dir dabei helfen. Frage dich selbst:

  • ‚Sind meine Augen, Schultern, Hüfte, Knie und Knöchel parallel zum Boden?‘ – Das sollten sie sein!
  • ‚Sind meine Knie übersteckt oder verdreht oder ist die Hüfte zu einer Seite hin verschoben?‘ – Wenn ja, dann könnte die Hüfte verdreht sein. Knie sollten nicht überstreckt werden. Versuche die Hüfte aktiv in eine neutrale Ausrichtung ohne Verdrehung zu bringen um ein Knie nicht mehr als das andere zu belasten
  • ‚Habe ich ein Hohlkreuz, hängt mein Bauch nach vorne oder ist mein Nacken überstreckt?‘ – Eine Stauchung des unteren Rückens sollte immer vermieden werden: kippe dein Becken in eine neutrale Position und halte es dort. Das wird den Nacken und den unteren Rücken fast automatisch in eine neutrale Position bringen, sodass keine Muskelkraft benötigt wird um die Fehlhaltung auszugleichen (das, was Verspannungen verursacht)
  • ‚Berühren sich meine Knie und meine Fußknöchel beim Stehen mit geschlossenen Beinen?‘ – Wenn nicht, dann könnte das an einer Fehlstellung der Beine liegen, wenn sich entweder nur die Knie Berühren (X-Beine) oder nur die Knöchel (O-Beine), oder die Knie sind nach innen verdreht, usw. – Dann kann man mit dem Prinzip der Spiraldynamik korrigieren: Rotiere die Oberschenkel nach außen und die Unterschenkel nach innen. Erde fest den Ballen deines großen Zehs, den Ballen des kleinen Zehs und die Ferse. Das fühlt sich schon sehr viel ‚geerdeter‘ an – mit mehr Verbindung zum Boden, auf dem man steht! Auch für Asanas gilt dieses Prinzip. (Les dich schlau in Büchern über Spiraldynamik um mehr darüber zu erfahren! Ich habe auch eben ein Buch bestellt um mich mehr in das Thema einzulesen, denn ich finde es ziemlich interessant und auch sinnvoll!)
  • ‚Hängen meine Schultern?‘ – Zieh sie zurück, aber nicht zu weit. Es sollte keine tiefe Rinne zwischen den Schulterblättern entstehen.

Natürlich kann ich hier keine 100%igen Anleitungen geben, denn ich bin weder Expertin noch Ärztin. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, und seitdem ich die Punkte auf der obigen Liste aktiv befolge, haben sich meine ständigen Schmerzen im Knie, Nacken und unteren Rücken verbessert. Ich habe vor meinen Körper lange zu benutzen, und besser man fängt früher damit an es richtig zu tun, als zu spät.
Wenn du dich auch dafür interessiert, wie eine Richtige Körperhaltung sein soll, dann rate ich dir Bücher darüber zu lesen oder einfach mal deinen Yoga-Lehrer oder deinen Arzt um Rat zu fragen.

Zu guter Letzt: Beobachte und studiere dich selbst. Ich arbeite täglich an meiner Körperhaltung und sehe schon erste Fortschritte: Ich denke immer bewusst an meine Aufrichtung beim Zähneputzen, in der Warteschlange, beim Kochen, Laufen oder bei der Schreibtischarbeit. Ich werde in ein paar Monaten darüber berichten, ob sich meine Haltung dann auch dauerhaft verändert hat! :)

Alles Liebe und namasté,

Elaine

 

Foto von The Vintage Romance.

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